Kälbersektor passt in die Kreislaufwirtschaft

Anfang September veröffentlichte die niederländische Ministerin für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität, Carola Schouten, ihre Vision der Landwirtschaft der Zukunft. In der Zukunftsvision „Landwirtschaft, Natur und Nahrungsmittel: wertvoll und verbunden“ müsse die niederländische Landwirtschaft, so die Ministerin, auf ein anderes System der Nahrungsmittelproduktion umstellen: die Kreislaufwirtschaft. Dabei handelt es sich um ein landwirtschaftliches System, in dem nichts verschwendet wird und bei dem Reststoffe maximal genutzt werden. Der niederländische Kälbersektor passt gut in diese Vision.


Der niederländische Kälbersektor entstand in den 1960er Jahren. Mit der steigenden Nachfrage nach Milchprodukten wuchs auch die Anzahl der Milchkühe in den Niederlanden. Denn um Milch geben zu können, muss eine Kuh jedes Jahr ein Kalb gebären. Schnell entstand ein Überschuss an Kälbern, die nicht als Nachwuchs für den Milchviehbestand geeignet waren (Bullenkälber und überzählige Färsen). In dieser Zeit begann man mit der Aufzucht dieser nicht für die Milchviehhaltung geeigneten Kälber für die Kalbfleischproduktion. Der Kälbersektor hat sich mittlerweile zu einem Sektor von Weltklasse entwickelt. Mehr als 10.000 Menschen arbeiten in dem Sektor und allein die Kalbfleischproduktion hat einen Wert von 2,1 Milliarden Euro auf Verbraucherebene.

Eines der großen Unternehmen der Branche ist die VanDrie Group. Das niederländische Familienunternehmen ist Weltmarktführer. Henny Swinkels (Direktor Unternehmensangelegenheiten) weist darauf hin, dass das Denken in Kreisläufen und die Verwendung von Reststoffen in der Unternehmenspolitik der VanDrie Group eng miteinander verknüpft sind. „Reststoffe und Nebenprodukte aus anderen Sektoren werden von uns auf mehrere Arten verarbeitet. Wir kaufen Kälber aus der Milchviehhaltung auf, die nicht als Nachwuchs für den Milchviehbestand geeignet sind. Und wir verarbeiten Molke (ein Nebenprodukt der Käseindustrie) zu Kälberfutter. Wir verwenden Restprodukte aus der Getreideverarbeitung und ölhaltige Samen für die Futterherstellung.“ 

VanDrie Group konzentriert sich außerdem auf die totale Verwertung des Kalbs. Kein einziges Teil des Kalbs wird als Abfall betrachtet. Allem einen Wert beimessen ist Unternehmenspolitik. 

Swinkels: „Wir verarbeiten Mist unserer Kälber und wir verwerten Kalbfelle für die Lederindustrie. Maximale Verwertung bedeutet für unsere Schlachthöfe, dass alle Teile des Kalbs genutzt werden – also Fleisch, Organe, Mist, Blut, Fell und andere Nebenprodukte. Die wenigen Reste, die neben diesen Produkten noch übrigbleiben, gehen an eine Verbrennungsanlage und werden dort in grüne Energie umgewandelt. Wir arbeiten außerdem ständig an der Vergrößerung unserer Absatzmärkte, sodass alle Produkte den richtigen Abnehmer finden.

Obwohl die VanDrie Group das Schließen von Kreisläufen bereits derart in die Firmenpolitik integriert hat, steht das Unternehmen nicht still. Der Fokus der VanDrie Group liege weiterhin auf Optimierung und Innovation, so der Direktor für Unternehmensangelegenheiten. „Wir fühlen uns für die Umwelt und unsere Umgebung verantwortlich. Wir wissen, dass wir mit unserer Produktion die Umwelt in den Niederlanden und anderen Ländern belasten. Das wollen wir nicht kleinreden. Wir untersuchen beispielsweise die Futterzusammensetzung unserer Futtermittel, aber auch deren Verdauung durch unsere Kälber. Indem man hier ein größtmögliches Gleichgewicht schafft, können Emissionen sehr geschickt reduziert werden. 



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